auxmoney im Start-up Interview

Wir haben den Gründer Philip Kamp im Rahmen der Peer to Peer – Werkstattwoche zu den Hintergründen zu auxmoney und seinen Ansichten bezüglich der Sharing Economy und Schnittstellen zur Assekuranz befragt. Seine spannenden Antworten lesen Sie hier im Start-up-Interview:

auxmoney Gründer Philip Kampauxmoney Gründer Philip Kamp | Bildquelle: handelsblatt.com

Insurance Innovation Lab: Wie ist die Idee zu auxmoney entstanden?

Philip Kamp: Die Idee entstand bei einem Spaziergang durch das Frankfurter Westend mit meinem Mitgründer. Ich war damals schon selbstständig und hatte festgestellt, dass es unglaublich schwierig ist einen Kredit zu bekommen und mich gefragt woran das liegt. „In den Banken schaut sich doch keiner Kreditengagements an“, meinte er. Die beschäftigen sich mit Aktiendeals, Mergers & Acquisitons und ähnlichem. Kreditvergabe läuft da über ein automatisches Scoring und manche fallen eben durch dieses Raster. 90 Prozent der Menschen kommen durch dieses Raster und zehn Prozent eben nicht, zum Beispiel du als Selbständiger ziehst den Kürzeren. Aus der Diskussion mit meinem Studienfreund heraus entstand dann die Idee, ein Kreditmodell zu entwickeln, bei dem auf der einen Seite die Anleger angesprochen werden, die gerade damals im Zuge der Finanzkrise nicht in Aktien investieren sondern  Menschen unterstützen wollten. Vielleicht würden die ja Interesse daran haben, sich Projekte von anderen anzuschauen und ihn sie zu investieren. Auf der anderen Seite sollten sozusagen die zehn Prozent die Chance auf einen Kredit bekommen. Da war die Idee geboren.

Wie ging es dann weiter?

Was noch fehlte war der Mechanismus. Wir haben dann erfahren, dass es sowas Ähnliches auch in Amerika mit ‚Prosper‘ gibt und dachten uns „Wow, cool, das war ja wieder klar – in Amerika gibt es sowas natürlich schon, in Deutschland aber nicht“. Vier oder Fünf Wochen später haben wir dann erfahren, dass die Firma ‚Smava‘ aus Berlin eine ähnliche Idee hatte und zwar in Kooperation mit einer Bank. Und vor allem: der Produktlaunch war für zehn Tage später geplant. Daraufhin entschieden wir: wir setzen uns jetzt sofort hin und entwickeln innerhalb von zehn Tagen ein erstes Minimum Viable Product mit einer Website, auf der man sich mit seinem Kreditwunsch eintragen kann, auf der sich Anleger eintragen können und so weiter. Und dann müssen wir im Verlauf die beiden Gruppen untereinander konnektieren damit sie miteinander Geschäfte machen können, denn eine Bank hatten wir ja nicht an unserer Seite. Unser Team aus Programmierung, die wir bereits in einem anderen Unternehmen beschäftigt hatten, lies dann alles stehen und liegen und programmierte zehn Tage lang an der Idee. Natürlich war das komplett wild gestrickt, aber es führte dazu, dass wir zeitgleich mit ‚Smava‘ online gegangen sind. Das erzeugte natürlich zu einer enormen Wettbewerbssituation.

Wie kam es zu dem Namen auxmoney?

Wenn man nur zehn Tage Zeit hat um live zu gehen, um alles zu programmieren und zu durchdenken, dann bleibt für die Namensfindung vielleicht eine halbe Stunde. Wir dachten uns dann, der Name soll etwas mit Geld zu tun haben, also ‚money‘, oder etwas mit Kredit, vielleicht ‚loan‘? Wir haben uns dann schlussendlich doch für die Kombination aus ‚money‘ und ‚auxilium‘, was Hilfe bedeutet, entschieden. Es war vielleicht nicht unbedingt der Wunschname, aber wir haben uns gesagt: Einfach starten, einfach machen!

Wie verlief die Anfangszeit von auxmoney?

Der allererste Kreditnehmer war ich selbst. 1000 Euro Kredit – einfach um zu schauen ob alles funktioniert und damit die Anleger auch etwas hatten, in das sie investieren konnten. Der zweite Kreditnehmer kam dann etwa eine Woche später. Insgesamt hatten wir im ersten Monat nur drei Kredite. Im zweiten Monat waren es dann schon zehn, im dritten fünfzehn. Es hat also anfangs sehr lang gedauert. Wir haben im nächsten Schritt eine breite Masse an Werbemaßnahmen gestartet – von Bannerwerbung über Suchmaschinenwerbung bis hin zu Adverts. Das war sozusagen auch der Knackpunkt. Irgendwo muss man ja anfangen. Ich glaube das Besondere bei uns war der Weg von „Wie bitte, das will jetzt einer starten?“ bis zum ‚Live-Gang‘ innerhalb von zehn Tagen, das ist sehr selten.

Seit wann könnt ihr mit eurem Start-up Geld verdienen?

Wir haben von Tag 1 an Gebühren genommen, sind aber immer noch nicht profitabel. Wir waren es zwischenzeitlich und haben dann aber festgestellt, dass das ganze Ding nur richtig groß werden kann, wenn wir noch viel mehr in Werbung investieren. Wir haben uns dann Venture Capital gesucht und so wurden bis jetzt ein hoher zweistelliger Millionenbetrag in auxmoney investiert. Wir denken, dass die Profitabilität nun bald erreicht wird. Es ist ein sehr langfristiges Spiel. Wir sind mittlerweile Kredit-Marktplatz Nummer Eins in Deutschland und man kann uns als größtes FinTech, Crowdfunding und Crowdlending-Plattform bezeichnen. Dass wir Geld mit auxmoney verdienen können, hat sich schon gezeigt – die Frage ist nun wie groß es werden kann.

Habt ihr bezüglich des Unternehmenswachstums eine kritische Größe im Kopf, die nicht überschritten werden soll?

Unser Kapitalgeber sagte einmal zu uns: wir lieben Marktplatzmodelle, weil der Markt sich ab einer bestimmten kritischen Größe gegenseitig befruchtet und man nicht mehr ständig anfeuern muss. Und das spüren wir auch, beispielsweise haben wir die Anleger-Werbung mittlerweile komplett eingestellt und erhalten monatlich trotzdem mehr als 2000 neue Anleger auf unserer Plattform. Anscheinend ist demnach ausreichend Mund-zu-Mund Propaganda auf dem Markt, damit dies funktionieren kann. Die Peers helfen uns als gewissermaßen, neue Peers zu finden.

Seht ihr bei den Peers landesspezifische Unterschiede?

Wir sind ja nur in Deutschland tätig, was daran liegt, dass wir das Ausland nicht mit unserem Scoring abdecken können. Das Scoring für die Kreditnehmer baut auf einem Habitus auf und zweifelsohne verhält sich der (Durchschnitts-)Deutsche anders als beispielsweise der (Durchschnitts-)Spanier. Das betrifft alle möglichen Angelegenheiten: Wie man den Kredit zurückzahlt, wie oft man umzieht und und und…Der Spanier lebt lange bei seiner Mutter und zieht erst um, sobald er heiratet. Der Deutsche zieht hingegen sofort aus und wohnt alleine. Allein daraus entsteht also ein komplett anderes Haushaltseinkommen, das sich nicht vergleichen lässt. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden multinational in Europa aufzutreten, da unser Scoring für jedes Land neu aufgebaut werden müsste. Bei den Anlegern verhält es sich genau andersrum, der Deutsche ist der ‚schlimmste‘ Anleger, den man haben kann. Er will absolute Sicherheit und möglichst hohe Zinsen – das gibt es nun mal nicht. Außerdem ist er nicht ausreichend online-affin und wird sich nie zu etwas Anderem als Tagesgeld oder Festgeld trauen. Der Amerikaner ist hingegen viel risikobereiter und sieht kein Problem darin, etwas Neues auszuprobieren.

Könnt ihr noch andere Besonderheiten hinsichtlich der Verhaltensweisen eurer Peers feststellen?

Ja, wir haben bemerkt, dass die Affinität zu investieren hoch ist, wenn gemeinsame Interessen da sind. Zum Beispiel: „Da will sich einer einen Oldtimer kaufen…da frage ich doch gleich mal nach welcher es werden soll, welches Modell genau und in welchem Zustand“ und so weiter. Diese Nischen zu nutzen und zu sagen, es darf oder soll nur innerhalb der Nische investiert werden, würde uns jedoch beschränken. Deshalb mischen wir uns in diesen Prozess nicht weiter ein.

Aus aus welchen Gründen nehmen Personen an der Sharing Economy teil?

Auf der Seite der Kreditnehmer sind es die Gründe „Ich hab was gegen Banken“ oder „Die Bank gibt mir nichts“ oder „Ich will mich vor der Bank nicht ‚nackt‘ machen“. Ein weiterer Grund ist die Suche beziehungsweise der Wunsch nach Anonymität. Auf der Anleger-Seite gibt es drei Gründe: Erstens „Ich will Zinsen verdienen“, zweitens „Ich will was Gutes tun“ und der dritte Grund ist Voyeurismus. Für viele – vor allem beispielweise Senioren –  ist es ein Zeitvertreib, der an eine Dating-Plattform erinnert, ganz im Sinne von „Ach, die sieht aber nett aus, der möchte ich gerne helfen“ oder die Frage nach den Plänen mit dem Geld, zum Beispiel eine Reise. Man kann den Prozess ja auch nachverfolgen: Klappt es, klappt es nicht?

Zurück zur Assekuranz und zum Ziel unserer Werkstattwoche: Was muss bei der Entwicklung eines Peer to Peer Konzepts beachtet werden?

In erster Linie geht es immer darum zu schauen, ob es zur Gesellschaft passt. Man kann sich das gut am Beispiel von Facebook vor Augen führen, denn es entwickelte sich ja nicht in allen Ländern gleich schnell. In manchen Ländern sind die Bedenken hinsichtlich Datenschutz eben sehr viel stärker ausgeprägt als in anderen. Peer to Peer hat also immer etwas mit dem Habitus der Menschen zu tun. Und dieser Ansatz lässt sich auch auf die Assekuranz übertragen, begonnen mit der Fragestellung: Wo ist die Lücke, die geschlossen werden soll? Hotels sind zum Beispiel einfach sehr teuer, genauso wie Mietwagen. Meiner Meinung nach rufen die Begebenheiten der Versicherungsbranche – zum Beispiel der Anteil eines Versicherungsbeitrages, der in die Administration fließt – geradezu nach Disruption. Ein Mensch weiß welche Versicherung er braucht, wo er ist und welches Risiko er im jeweiligen Moment eingeht. Und dieses spezifische Bedürfnis und das Bedürfnis nach Sicherheit sollte befriedigt werden.

 

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