Start-up-Pitch Bitbond

Banking on Blockchain: Mit Bitbond Kredite weltweit ganz ohne Banken vermitteln

Im Rahmen der Werkstattwoche zum Thema Blockchain erhielten die teilnehmenden Versicherer des Insurance Innovation Lab fachlichen und praktischen Input von dem FinTech Bitbond. Nach einer Einführung in die Welt von Bitcoins und Blockchains stellte Radoslav Albrecht, Gründer und CEO, in seinem Pitch das Geschäftsmodell seines Start-ups vor und beleuchtete die Anwendbarkeit der Blockchain für das Bankwesen.

Bitbond als Use Case für Blockchain-Zahlungsnetzwerke

Das Thema Blockchain liegt voll im Trend und erlangt branchenübergreifend große Aufmerksamkeit. Doch wie können die Blockchain-Innovation und Bitcoins im Bereich der Kreditvermittlung angewendet werden? Das Berliner FinTech Bitbond hat einen Weg gefunden: Die Online-Darlehensvermittlung verbindet Privatpersonen und kleine Unternehmen in über 120 Ländern mit Bitcoin-Investoren. Auf der einen Seite erhalten Kreditsuchende eine einfache und schnelle Gelegenheit, an monetäre Mittel zu gelangen, auf der anderen Seite bieten sich für Investoren lukrative Zinssätze. Als Zahlungsmittel werden dabei ausschließlich Bitcoins verwendet.

Bitcoins können als digitales Bargeld bezeichnet werden. Neben Etherum und Ripple gehören sie zu den größten digitalen Zahlungsnetzwerken. Insgesamt gibt es etwa 700 weitere Währungen, darunter ist Bitcoin mit etwa 36 Milliarden US Dollar Marktkapitalisierung die liquideste Währung. „Das Problem ist, dass digitale Vermögenswerte keine Knappheit kennen, sie sind sehr schnell inflationär“, führt Radoslav Albrecht in die Thematik ein. Doch auch die Lösung für dieses Problem steht schon parat: die Technologie Blockchain.

Blockchain ermöglicht banken-unabhängige Finanzdienstleistungen

Eine Blockchain ist eine Datenbank, in der jede Transaktion festgehalten wird und öffentlich einsehbar ist. Mit über 6.000 Kopien ist sie fälschungssicher. Die Funktionen der Blockchain-Technologie können in drei Kategorien eingeteilt werden

  • – Spekulationsobjekt
  • – Blockchain als Datenbank-Bereich
  • – Blockchain als Zahlungsnetzwerk.

Mit dem letzten Punkt sind einige Vorteile verbunden, die sich Bitbond für sein Geschäftsmodell zunutze gemacht hat.

Transkationen können günstig versendet werden und sind – im Gegensatz zu prozentual berechneten Gebühren – unabhängig vom Volumen. Ähnlich wie E-Mails können sie darüber hinaus international verschickt werden und es existriert ein offenes Zahlungsnetzwerk (im Gegensatz z. B. zu PayPal). Die einzige Voraussetzung für die Nutzung ist ein Internetzugang. Ein weiterer Vorteil ist die Unabhängigkeit von Drittparteien wie Banken. Es ist keine Erlaubnis erforderlich und es entstehen keine Gebühren. Auf diesen Vorteilen basiert die Implikation von Bitbond, Blockchain als Zahlungsmittel einzusetzen.

Radoslav Albrecht, der auch Mitgründer Bundesverbandes Bitcoin e.V. ist, definiert die unabhängige Funktionsweise von Banken beziehungsweise klassischen Finanzdienstleistungen als den Hauptgrund, warum Blockchain als Zahlungsmittel geeignet ist.  FinTechs bieten in der Regel jedoch nur eine Leistung an, für die sie insbesondere einen Bankpartner benötigen. Der Bitbond-Gründer sieht das Problem darin, dass zusätzliche Kosten entstehen und durch Zahlungen an eine Bank Prozesse verlangsamt werden. „Dies liegt eigentlich nicht im Naturell von FinTechs“, so Albrecht. Das Anwendungsfeld, in dem sich FinTechs, die sich mit der Blockchain-Technologie befassen, bewegen, kann aus der Sicht von Radoslav Albrecht in sechs Bereiche eingeteilt werden:

  1. Transfer von Geld im Sinne von Überweisungen im In- und Ausland („Remittances“); hier liegt der größte Fokus im B2B-Bereich.
  2. Darlehensvermittlung wie im Fall von Bitbond („Cross-border lending“)
  3. Anbieter, die das Risiko der Währungsschwankung übernehmen und so die Wechselkursschwankungen für den Kunden „ausschalten“; Bitcoins werden hier in der Regel teurer als zum aktuellen Kurs gekauft („Payments“).
  4. Spekulationen, bei welchen sich die Währungsschwankungen zunutze gemacht werden („Speculation“)
  5. Digitale und fälschungssichere Eigentumsnachweise („Immutable registry“)
  6. Verträge, die auf der Datenbank-Funktion von Blockchain basieren und beispielsweise für den Real-Estate-Bereich einen günstigeren und effizienteren Ersatz für ein Notariat bieten („Smart Contracts“)
Anwendungsfelder für die Blockchain-Technologie bei FinTechs (Quelle: Bitbond)

Anwendungsfelder für die Blockchain-Technologie bei FinTechs (Quelle: Bitbond)

Bitbond als grenz-übergreifender Kreditvermittler

Bitbond selbst befindet sich im Bereich des „Cross-border lendings“. Als Ausgangslage für das Geschäftsmodell stehen sich kleine Transaktionen und hohe Gebühren gegenüber. Das kann als nicht mehr erachtet werden, da die Zahlungsverkehr-Kosten zu hoch sind. Bitbond hat sich deshalb unter anderem auf die Nische der Online-Händler spezialisiert, da diese nur geringe Darlehensbeträge benötigen und somit unattraktiv für Banken sind.

Mit seinem Geschäftsmodell spricht Bitbond zwei Zielgruppen an: Zum einen Investoren in Form von privaten und institutionellen Anlegern, die Rendite-getrieben sind und sich für eine andere Art des Kredit- bzw. Zinsumfeldes interessieren. Zum anderen Darlehensnehmer, die auf dem herkömmlichen Weg über Banken kein Darlehen erhalten. Für diese bietet die Online-Darlehensvermittlung einen hohen Komfort. In 15 bis 20 Minuten kann ein Darlehensantrag gestellt werden, in weniger als 24 Stunden erhält der Nutzer die Antwort auf die Anfrage. Seit Juli 2013 gibt es 90.000 angemeldete Nutzer, 1.700 Kredite wurden seither vergeben. Kreditsuchende erhalten so eine schnelle und einfache Gelegenheit, an Geldmittel zu gelangen und den Investoren winken ertragreiche Zinssätze, denn dank der Blockchain erfolgen die Zahlungsströme fast in Echtzeit und ohne hohe Bankgebühren für Auslandsüberweisungen.

Die Währung Bitcoin kann generell in zweierlei Hinsicht verwendet werden: Es kann entweder direkt mit Bitcoins bezahlt (ca. 5 Prozent der Nutzer) oder aber reale Währungen können in Bitcoins um- und wieder zurückgetauscht werden (ca. 95 Prozent der Nutzer). Bitbond konzentriert sich auf das zweite Modell und übernimmt den Umtausch der Währung und die Transaktion auf das Konto des Nutzers.

Dazu nutzt das Start-up jeweils lokale Umtauschmöglichkeiten. „Nutzer brauchen eine Verbindung zu realen Währungen wie Euro oder Dollar“, meint Radoslav Albrecht. In der Tatsache, dass 50 Prozent der Gesamtbevölkerung kein Bankkonto haben und die Transaktion bankenunabhängig ist, liegt das Potential von Bitbond.

Bonitätsprüfung mal anders

Zur Bonitätsprüfung der Darlehensnehmer greift Bitbond nicht auf die Schufa oder ähnliche Quellen zurück, sondern erstellt ein eigenes Scoring auf Basis von Daten unter anderem von eBay, PayPal oder debitoor. Diese Dienste werden in vielen Ländern genutzt und sind schwer fälschbar. Um die Rohdaten über diese Schnittstellen beziehen zu können, muss der Darlehensnehmer vorab seine Leserechte erteilen. Auf diesem Weg werden etwa 500 Datenpunkte ermittelt, aus denen sich das Scoring dann zusammensetzt.

Erstellung eines eigenen Scorings zur Bonitätsprüfung der Darlehensnehmer (Quelle: Bitbond)

Erstellung eines eigenen Scorings zur Bonitätsprüfung der Darlehensnehmer (Quelle: Bitbond)

Reges Interesse am Geschäftsmodell von Bitbond

Wie könnte das Scoring weiter ausgebaut werden? Reicht der Vorteil der Geschwindigkeit aus, um die Zielgruppe der Darlehensnehmer zu überzeugen? Welche Schritte durchläuft eine Überweisung und wie können die Blockchain-Technologie und die Währung Bitcoin „greifbarer“ gemacht werden? Welche Rolle spielen das Steuerrecht und der Wechselkurs der verschiedenen Länder? Und welches Potential haben sogenannte „Smart Contracts“? Zum Abschluss des Start-up-Pitches wurde gemeinsam mit den Teilnehmern der Werkstattwoche noch rege zu den Details des Bitbond-Geschäftsmodells, dessen Stärken, möglichen Weiterentwicklungen sowie zur Zukunft des Innovationstrends Blockchain diskutiert.

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