Das ‚Internet der Dinge‘ oder: Wenn die Waschmaschine mit dem Smartphone sprechen kann

Verbunden, vernetzt, verknüpft – der Begriff „Internet der Dinge“ oder Englisch „Internet of Things“ (IoT) bedeutet vereinfacht gesagt, dass alles mit allem kommunizieren kann. (Alltags-)Gegenstände sind untereinander oder mit dem Internet verbunden und somit in der Lage, Informationen auszutauschen. Beispielsweise kann eine Waschmaschine die Menge des Waschpulvers melden, sich erst einschalten, wenn der Strom am günstigsten ist oder über das Smartphone mitteilen, wann die Wäsche aufgehängt werden kann. Aus technischer Sicht betrachtet werden physische Objekte, die eindeutig identifizierbar sind, mit einer virtuellen Repräsentation verknüpft, woraus eine dem Internet ähnliche Struktur entsteht. Die Objekte verfügen über eingebettete Chips, Sensoren, Softwaresysteme oder Datenspeicher, die einen Datenaustausch mit einem oder mehreren anderen Objekten ermöglichen. Deshalb werden sie auch als „smart“ – also intelligent bezeichnet.

Derartige Probleme wird es Dank des Digitalisierungs-Trends ‚Internet of Things‘ in Zukunft möglicherweise nicht mehr geben. Quelle: Pixabay

Wie ist der Begriff „Internet of Things“ entstanden?

Die Vision eines allgegenwärtigen, weit verbreiteten Computernetzes tauchte das erste Mal bereits vor über 25 Jahren auf. 1991 beschrieb der US-Amerikaner Mark Weiser, Wissenschaftler im Bereich Informatik, in seinem Aufsatz „The Computer for the 21st Century“ eine Zukunfts-Welt voller Computer, Tablets und Smart Homes:

„In our experimental embodied virtuality, doors open only to the right badge wearer, rooms greet people by name, telephone calls can be automatically forwarded to wherever the recipient may be, receptionists actually know where people are, computer terminals retrieve the preferences of whoever is sitting at them, and appointment diaries write themselves.“

Dieser Aufsatz deutete bereits daraufhin, dass die Vermittlung und Koordination von Informationen in Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird.

„(…) ubiquitous computers will help overcome the problem of information overload. There is more information available at our fingertips during a walk in the woods than in any computer system, yet people find a walk among trees relaxing and computers frustrating. Machines that fit the human environment, instead of forcing humans to enter theirs, will make using a computer as refreshing as taking a walk in the woods.“            

(Mark Weiser „The Computer for the 21st Century“)

Der konkrete Begriff wurde dann im Jahr 1999 durch den Engländer Kevin Ashton geprägt. Der Technologie-Pionier gilt als der Erfinder der Bezeichnung „Internet of Things“. Seiner Meinung nach werden Sensoren und lernende Computer auf dem Gebiet der Fortbewegung in den nächsten Jahren die größten Veränderungen mit sich bringen. Im Jahr 2030 werden laut Ashton alle neuen Autos selbstfahrende Autos sein, der Bordcomputer wird dann die Steuerung übernehmen. Im Jahr 2050 werden Menschen dann sogar nicht mehr nur selber Auto fahren müssen, sondern sie dürfen es nicht mehr. Der Brite sagt, Autofahren wird dann so selbstverständlich werden wie heute das Telefonieren mit Smartphones oder das Surfen im Internet.

Wie genau funktioniert das „Internet of Things“?

Das „Internet of Things“ kann als ein Netzwerk beschrieben werden, das aus zahlreichen sogenannten „Smart Objects“ besteht, die sich per Machine-to-Machine (M2M) untereinander austauschen. Jedes intelligente Objekt ist über eine eigene Internetadresse identifizierbar und kann dadurch vom Menschen über das Internet angesprochen werden. Obwohl der Mensch zwar für die Steuerung dieser intelligenten Gegenstände zuständig ist, so ist sein Einfluss auf diese Objekte dennoch begrenzt: Durch die Verbindung mit dem Internet sind die smarten Geräte in der Lage, selbstständig zu agieren, sich Situationen anzupassen und auf bestimmte Szenarien zu reagieren. Das stellt einen großen Unterschied zum Internet und dem Computer als Endgerät dar. Ein Input seitens des Benutzers ist nicht mehr notwendig, da das Gerät die Eingabe von Aufgaben ganz autonom selbst übernimmt.

In welchen Lebensbereichen wird das „Internet of Things“ bereits erfolgreich eingesetzt?

Grundsätzlich unterscheidet man beim „Internet der Dinge“ zwischen privaten und industriellen Anwendungen. Im privaten Umfeld sind hauptsächlich Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs für eine bessere und intelligentere Nutzung miteinander vernetzt. Es lassen sich beispielsweise intelligente Gebäudeautomatisierungen installieren oder Geräte realisieren, die bei bestimmten Ereignissen per Internet mit dem Anwender in Kontakt treten. Der Einsatz des „Internet of Things“ macht sich im Alltag bereits in Form von der Beleuchtungssteuerung, Alarmanlagen und Fernüberwachungen, der automatischen Heizungs- und Klimakontrolle oder intelligenten Stromzählern (Smart Metering) bemerkbar.

Im industriellen Bereich geht es hauptsächlich darum, Maschinen und Anlagen so miteinander zu verbinden, dass Industrieprozesse automatisiert ablaufen und Produktionen so effizienter und günstiger werden. Das „Internet of Things“ ist eine elementare Komponente der Industrie 4.0, denn durch die direkte Kommunikation von Maschinen, Anlagen, Waren und Menschen wird die Selbstorganisation von industriellen Prozessen möglich. Es lassen sich nicht mehr nur einzelne Produktionsschritte, sondern ganze Wertschöpfungsketten automatisieren und wesentlich effizienter gestalten.

In den letzten Jahren haben sich erste Erfolge bei der Realisierung der Technologie gezeigt: Im Gesundheitsbereich, in der Industrie oder in der Warenwirtschaft konnten bereits zahlreiche Objekte mit sogenannten „Embedded Prozessoren“ ausgestattet werden. Die intelligenten Systeme überwachen Transportwege, sorgen für eine Just-in-time-Lieferung, lassen Fahrzeuge direkt mit Kfz-Werkstätten kommunizieren oder überwachen medizinische Abläufe.

Welche Möglichkeiten bietet das „Internet of Things“ für die Versicherungswirtschaft?

Indem Sensoren Risikodaten vermitteln, können wichtige Informationen über die Versicherten abgeleitet werden und so eine neue Form der Kundennähe und Kundeninteraktion hervorrufen. In erster Linie bietet der Digitalisierungstrend „Internet of Things“ für Versicherer somit die Möglichkeit, Risiken zu managen und zu begrenzen. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Versicherten damit einverstanden sind, die eigenen Daten freizugeben. Sofern diese Bereitschaft vorhanden ist, haben Versicherungsunternehmen die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Kunden Risiken zu erkennen und zu reduzieren oder möglicherweise sogar ganz zu verhindern. Im Idealfall würde ein Schadensfall dann gar nicht mehr entstehen.

‚Internet of Things‘ in Form von Smart Health. Quelle: Pixabay

Ruft man sich die anfangs genannten Beispiele wieder in Erinnerung, sind verschiedene Szenarien für die Versicherungswirtschaft und den Alltag von Versicherten denkbar. Im Bereich „Smart Health“ könnten Fitness Tracker beispielsweise ein gesünderes Verhalten erwirken oder auch auf notwendige Arztbesuche hinweisen. In Echtzeit könnten Informationen direkt an den Arzt weitergeleitet werden und die Behandlung unterstützen. Insgesamt hätte Smart Health somit die Chance, Vorsorge, Pflege als auch Betreuung zu erweitern und – perspektivisch gesehen – zu ersetzen. Unter dem Stichwort „Smart Home“ hingegen könnte ein intelligentes, mit Sensoren ausgestattetes, Zuhause Einbrüche vermeiden oder zur Früherkennung von Wasserschäden oder Feuerentwicklung dienen. Für die Versicherten würde das mehr Sicherheit, das Sparen von Zeit und die Senkung von Energiekosten bedeuten. Auch für den Bereich „Smart Mobility“ gibt es eine Vielzahl an Daten, die für Versicherer relevant sind. Dazu zählen Informationen zum Fahrverhalten, wie Standort, Fahrzeit, Geschwindigkeit, Treibstoffverbrauch, Geschwindigkeit in Kurven und Bremsverhalten. Mit Hilfe dieser Daten könnten Versicherungen individuelle Versicherungstarife anbieten. Im Hinblick auf Industrieversicherung besteht darüber hinaus beispielsweise das Potenzial, Wetterextreme rechtzeitig zu erkennen und Maßnahmen zur Schadensvermeidung einzuleiten. Die disruptiven Technologien des „Internets der Dinge“ bieten für die Assekuranz eine enorme Chance – aber nur dann, wenn Versicherer bereit sind, die Transformation von herkömmlichen zu neuen, vernetzten Geschäftsmodellen zu vollziehen.

Wir freuen uns darauf, das Thema „Internet of Things“ bald in unserer nächsten Werkstattwoche zu vertiefen, Anwendungspotenziale für die Versicherungswirtschaft zu identifizieren, Implikationen zu bewerten und konkrete Ideen für neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle abzuleiten.

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