Wie steht es um die Deutschen Start-up-Katalysatoren? (Teil 2)

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein neues Start-up die Gründerszene wachsen lässt. Jungunternehmer sprießen fast schon wie Pilze aus dem Boden und Start-up-Katalysatoren wie Labs, Inkubatoren und Akzeleratoren scheinen nun eine ähnliche Geschwindigkeit an den Tag zu legen. Die Idee der Katalysatoren: Kreativität und Innovationen fördern, Geschäftsideen entwickeln und in Start-ups zu überführen, deren Wachstum anschließend systematisch gefördert und deren Gründer umfassend begleitet werden. In den letzten Jahren sind so immer mehr dieser Zentren entstanden, die sich allerdings hinsichtlich ihres inhaltlichen Schwerpunktes, der angesprochenen Zielgruppe und der Zielsetzung unterscheiden. Eine genaue Abgrenzung der innovationsfördernden Institutionen haben wir im folgenden Schaukasten dargestellt.

INNOVATION LAB  INKUBATOR AKZELERATOR
Innovation Labs sind Denkzentren (Thinking Labs), die mit entsprechenden Werkzeugen, IT-Anwendungen und flexiblen Arbeitsformen einen modernen Entwicklungsraum für Innovationen, wie neue Produkte und Prozesse, bieten. Durch ihre Gestaltung und einen intermedialen Aufbau zielen sie besonders auf die Förderung von Kreativität und interdisziplinärer Kollaboration ab. Problemstellungen werden durch systematisches Integrieren der Stakeholderperspektiven im Rahmen designorientierter Ansätze gelöst. Inkubatoren unterstützen Gründer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Ihre Leistungen umfassen Beratung, Coaching, die Bereitstellung von Mietflächen und Infrastrukturausstattung, bis hin zu umfangreichen Servicepaketen für den Geschäftsbetrieb. Förderziele sind das Schärfen des Geschäftsmodells, die Akquise zentraler Kunden und Kapitalgeber, die konkrete Unternehmensgründung und die Steigerung der Wachstumschancen. Akzeleratoren fungieren als „Beschleuniger“ die Start-ups innerhalb eines festgelegten Zeitraums durch intensives Coaching unterstützen. Typischerweise bewerben sich bestehende Gründerteams für die Teilnahme an einem Akzeleratorenprogramm. Obwohl die Ziele von Akzeleratoren und Inkubatoren grundlegend übereinstimmen, weichen besonders die Rahmenbedingung voneinander ab. Akzeleratoren fördern in Form eines zeitlich befristeten Boot Camps. Anhand einer konkreten Methodik, wie Lean Start-up oder Lean LaunchPad sollen Unternehmensidee und Produkt intensiv in Richtung Marktreife entwickelt werden.

 

In unserer Studie haben wir im Zeitraum von November 2015 bis März 2016 insgesamt 93 Start-up-Katalysatoren identifiziert und analysiert, die grundsätzlich auch für die Assekuranz interessant sind. Auf den ersten Blick wirkt die Branche der Start-up-Katalysatoren sehr umfangreich und vielschichtig. Es fällt jedoch auf, dass ein substanzieller Teil der analysierten Angebote in einer Tochtergesellschaft organisiert ist oder zumindest eine starke Bindung an einzelne Unternehmen aufweist. Von den 17 betrachteten Labs sind fünf in dieser Art gebunden. Ihre Leistungen stehen folglich anderen Unternehmen nicht zur Verfügung. Von den 42 Inkubatoren betrifft dies 15, von den 34 Akzeleratoren ebenfalls 15.

Angebote mit Fokus auf die Assekuranz
Eine Spezialisierung auf die Assekuranz oder Finanzindustrie ist nur bei elf Start-up-Katalysatoren explizit ersichtlich. Einige Beispiele sollen im Folgenden vorgestellt werden.
Der ERGO-Konzern überlässt Innovationen längst nicht mehr dem Zufall. Mit dem aus den Konzernstrukturen herausgelösten ERGO Digital Lab gelingt es, Ideen und Lösungen für die ERGO und die ERGO Direkt zu entwickeln. Die Ideenschmiede versteht sich selbst als Start-up und versucht dementsprechend frei und losgelöst in der Berliner Gründerszene zu arbeiten, ohne dabei den Bezug in die ERGO-Welt zu verlieren. Im Ergebnis entstanden bereits Ideen wie der digitale Nachlassbegleiter „Sterben 2.0“ und die zahnmedizinischen Apps „Zahnplan“ und „Putzhelden“.
Die AXA hat mit dem Innovation Campus einen Inkubator ins Leben gerufen der einerseits als strategischer Partner in versicherungsnahe Geschäftsideen investiert und andererseits die Gründer bei der Entwicklung von Produkt- und Servicekooperationen unterstützt. Angesprochen werden dabei Start-ups in allen Entwicklungsphasen. Die AXA wirbt mit individueller Unterstützung je nach Bedarf der Gründer. Das kann beispielsweise passgenauen Versicherungsschutz für die Unternehmen oder eine individuelle Risikoabdeckung als Teil der Geschäftsidee beinhalten.
Wie sich beispielsweise weltweit die Akzeleratoren mit Assekuranzbezug aufstellen sehen Sie in dieser Übersicht.
accelerator landscape_new
Quelle: www.insuranceentertainment.com

Allianz X (früher Allianz Digital Accelerator) führt die Liste an und ist mit der Gründung im Jahr 2013 der erste Akzelerator mit expliziten Fokus auf InsurTechs. Die Allianz sucht gezielt nach Gründern mit herausragenden versicherungsnahen Ideen, die gewillt sind, diese gemeinsam mit der Allianz zu entwickeln. Teilnehmende Start-ups können im Rahmen des Akzeleratorprogramms innerhalb von sechs Monaten ein Geschäftskonzept entwickeln und validieren. Bewerben kann sich um das Programm nur der, der bereits eine ausgereifte Idee besitzt. Dafür erhält er während des halbjährigen „Bootcamps“ neben einem Gehalt auch zusätzliches Kapital in Abhängigkeit von erreichten Meilensteinen. Außerdem profitieren die Innovatoren von fachlicher Unterstützung durch Mentoren und Fachspezialisten aus dem Netzwerk des Konzerns. Bei erfolgreichem Verlauf haben die Gründer die Möglichkeit, eine Karriere als CEO der neuen Gesellschaft innerhalb der Allianz Gruppe zu starten. Für Unternehmer, die Ihre Unternehmensidee bereits weiterentwickelt haben und auf der Suche nach Investoren sind verweist der Konzern auf die Allianz Corporate Ventures.

Es fehlt an unabhängigen Innovationsschmieden

Die analysierten elf Angebote mit Versicherungsbezug stehen in direkter Verbindung zu einzelnen Assekuranzkonzernen. Die Beobachtung hat insbesondere auf mittelgroße und kleinere Versicherer negative Auswirkungen, da diese im Gegensatz zu den Marktführern weit weniger in der Lage sind, im Alleingang vergleichbare Strukturen aufzubauen. Somit fehlt es bislang an unabhängigen Start-up-Katalysatoren, die eine hohe Innovationskompetenz besitzen und gleichzeitig die branchenspezifischen Bedürfnisse der Assekuranz adressieren. Aktuell gibt es dadurch insbesondere für mittelgroße und kleinere Versicherer einen Engpass bei branchenspezifischen Angeboten.

Das Insurance Innovation Lab hat den Bedarf erkannt und eine Forschungseinrichtung erschaffen, die erstmals einen kollaborativen Ansatz wählt, bei dem mehrere mittelständische Versicherer zusammenarbeiten. Die aufgrund der Kooperation entstehenden Synergieeffekte garantieren eine ressourceneffiziente Forschung. Das Lab setzt gezielt bei der Ideation an und bezieht Mitarbeiter der beteiligten Häuser als interne Innovatoren in den Prozess ein. Um darauf aufbauend eine schnellstmögliche Umsetzung der Ideen zu gewährleisten, werden die beteiligten Versicherer bis zur Umsetzung der konkreten Idee am Markt begleitet.

Das W1 in München verfolgt als erster Akzelerator ebenfalls einen Ansatz der für mehrere Unternehmen zugänglich ist. Gemeinsam mit der Allianz und einigen anderen Versicherern hat das Werk1 (als in München ansässige Kombination aus Inkubator, Coworking- & Eventspace) im Frühjahr 2016 den W1 Forward InsurTec Accelerator hervorgebracht. Die Leistungen des Programms sind im Prinzip dieselben wie die des Allianz X. Aktuell werden fünf Start-ups ebenfalls in sechs Monaten bei der Entwicklung der Ideen betreut. Sie profitieren von „Sachleistungen“ wie einem Arbeitsplatz, Mentoren und Trainern im Wert von 80.000 Euro, erhalten aber keine finanziellen Mittel. Dafür geben die Start-ups auch keine Anteile ihres Unternehmens ab. Das ausgesprochene Ziel des W1 ist es, Start-ups auf zukünftige Kooperationen vorzubereiten.

Zusammenfassung

Abschließend bleibt zu sagen, dass sowohl mit dem Insurance Innovation Lab als auch mit dem W1 in München Katalysatoren ins Leben gerufen wurden, die eine Beteiligung durch mittelständige und kleine Versicherer ermöglichen. Die Modelle setzen dabei an unterschiedlichen Phasen des Innovationsprozesses an und beschleunigen diesen durch optimale Bedingungen für die kreativen Köpfe. Das Insurance Innovation Lab bezieht neben Kunden und Start-ups als externe Innovatoren auch die Mitarbeiter und damit das Potential aus der Assekuranz aktiv in den Innovationsprozess mit ein.

 

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