Frischer Wind im SpinLab Leipzig

In dieser Woche startet die siebte Start-up-Klasse im SpinLab Leipzig. Mit dabei sind wieder junge Unternehmen aus den Schwerpunkten Energie, Smart City, eHealth und InsurTech (bei deren Auswahl wir mithelfen durften). Vorab haben wir bereits mit Martin Spindler von IN HARMONY, einem der InsurTechs der neuen Klasse, gesprochen und uns erklären lassen, wie die Assekuranz von ihrer Lösung profitieren kann.  

Martin, was macht IN HARMONY und wie seid ihr auf die Idee gekommen?
In HARMONY ist eine Software-Lösung für Tinnitus-Betroffene, die eine Linderung des Tinnitus-Schmerzes ermöglicht. Sie bettet Tinnitus mit harmonischem Charakter in Musik ein und erzielt somit eine sofortige Erleichterung – wohlklingend, alltagstauglich und selbständig anwendbar. Wenige Minuten Musikgenuss reduzieren die Intensität des individuellen Phantomtons merklich und kompensieren den Schmerz auch eine Zeit lang nachwirkend. Wir bieten eine musikalische Pause, hilfreich insbesondere als Einschlafhilfe oder Konzentrationsschub für chronisch betroffene Patienten. Unter der Musik wird der Tinnitus nicht mehr als Störung, sondern als Bestandteil eines positiven Erlebnisses empfunden. Unsere Software kann auch Wunschmusik auf mobilen Geräten oder Desktops automatisch anpassen, die Eignung der Stücke wird entsprechend von der Software qualifiziert. Die zum Erfolg notwendige Bestimmung der individuellen Tinnitusfrequenz ist mit IN HARMONY ebenfalls möglich. Leistungserbringern wie Ärzten oder Akustikern stellen wir eine Profi-Anwendung bereit, mit der Patienten auch in einer gemeinsamen Sitzung zur Tonfindung unterstützt werden und langfristig begleitet werden können. Neben der „Verabreichung“ der interaktiven App können Leistungserbringer mit der Profi-Variante unseres Produktes auch Musik aufbereiten und exportieren, um so Menschen zu versorgen, die etwa kein Smartphone benutzen wollen oder können.

Das Softwareprodukt befindet sich in der Entwicklung und soll künftig auch mit Streaming-Diensten koppelbar sein. In einem Forschungsprojekt wurde an der TU Dresden bereits ein Prototyp entwickelt und unter Betreuung eines HNO-Arztes erfolgreich durch Patienten getestet. Der visionäre Gedanke, Tinnitustöne gezielt musikalisch zu umspielen, stammt von HNO-Arzt Dr. Tymnik, der in vorangegangenen Forschungsarbeiten bereits die akustische Kompensation von Tinnitus untersucht hatte. Er war inspiriert durch den Komponisten Bedřich Smetana, der seinen Tinnitus in seinem musikalischen Werk „Aus meinem Leben“ eindrucksvoll vertonte.

Wie unterscheidet sich eure Lösung von anderen Produkten zur Tinnitus-Therapie?
Ein wesentlicher Vorteil von IN HARMONY ist die sofort wahrnehmbare Linderung. Akustische Lösungsansätze, die im Gegensatz dazu auf ein langfristiges neuronales Training abzielen (wie Notched Musik oder Neuromodulation), therapieren unter monatelangem und täglich stundenlangem Training. Zudem bietet IN HARMONY harmonische, abwechslungsreiche und dem eigenen Geschmack anpassbare Musik in hoher Qualität, was eine anhaltende Akzeptanz durch die Betroffenen gewährleistet und sich so von Hörgeräte-Features wie Rauschern oder Zen-Klängen abhebt. Unser Produkt ist aber ebenfalls mit Hörgeräten koppelbar und erfordert dabei kein ausreichend gutes Hörvermögen direkt im Bereich der Tinnitusfrequenzen. So fällt die Tinnituskompensation aber auch die Tonfindung insbesondere bei gleichzeitiger Schwerhörigkeit leichter. Mit der interaktiven App können auch Schwankungen in der Lage des Tinnitustons ausgeglichen werden, sogar während der Musikwiedergabe. IN HARMONY kann begleitend zu anderen Therapien wie Verhaltenstherapie eingesetzt werden, um ein leichteres Defokussieren des Tinnitus zu ermöglichen.

Welchen Nutzen bringt eure Lösung der Versicherungsbranche?
Von ca. 3 Millionen chronisch Betroffenen in Deutschland empfindet der Großteil einen Tinnitus mit tonalem Charakter. Über eine Million allein in Deutschland (EU-weit fast 5 Millionen) können diesen Tinnitus im Alltag nicht kompensieren und fühlen sich entsprechend gestört und suchen Heilung. Die Tendenz ist steigend, bedingt durch demografischen Wandel (Tinnitus ist häufig eine Begleiterscheinung von altersbedingtem Hörverlust) aber auch der Auswirkung von Lärm in Verkehr, Arbeitsumgebung und in der Freizeit. Neben psychologischer Schmerztherapie, die den Ton auch nicht abstellen kann, gibt es keine Therapie, deren Wirkung wissenschaftlich zweifelsfrei beweisbar ist, wohl aber erfolgreiche Linderungsansätze. Dennoch verursachen Patienten, die immer wieder Ärzte, Kliniken, Therapeuten, Rehabilitationseinrichtungen aufsuchen, Kosten für die Leistungsträger, insbesondere wenn keine alltagstaugliche und als wirksam empfundene Lösung zur Tinnitus-Kompensation bereit steht, die langfristig akzeptiert wird. Durch den akustisch-musikalischen Ansatz bietet IN HARMONY eine Lösung, die in Softwareform verabreicht und selbständig vom Patienten eingesetzt werden kann. Voraussichtlich kann der begleitende Einsatz auch den Erfolg von psycho- und schmerztherapeutischen Ansätzen unterstützen.

Was erwartet ihr von eurer Zeit im SpinLab Leipzig?
Wir freuen uns auf die Vernetzung mit möglichen Partnern und Pilotkunden aus der Gesundheits- und Versicherungsbranche, potenziellen Investoren sowie Know-how-Trägern (bspw. anderen Herstellern und In-Verkehr-Bringern von Medizinsoftware) sowie Coaching und Beratung beim Auf- und Ausbau unseres Unternehmens. Auf dass wir bald unsere Lösung erfolgreich bereitstellen und damit die Lebensqualität Betroffener verbessern können!

Vielen Dank für das Interview!

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