Tobias Flam, Head of Business Development, stellt die Produkte und das Geschäftsmodell der KIWI.KI GmbH vor.

KIWI im Start-up Pitch: Intelligent Türen öffnen

Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Man kommt mit vollen Händen vom wöchentlichen Großeinkauf zurück, steht vor der Haustür und hat keine Hand frei, um den Schlüssel herauszusuchen und die Tür zu öffnen. Eine typische Alltagssituation, die ärgerlich ist und Nerven kostet. Das Unternehmen KIWI hat es sich zur Mission gemacht, ein solches Szenario in Zukunft zu vermeiden – mit einer Technik, die es möglich macht, Wohnungstüren ohne Schlüssel zu öffnen. Im Start-up Pitch der sechsten Werkstattwoche zum Thema „Internet of Things“ stellte Tobias Flam, Head of Business Development, die Produkte und das Geschäftsmodell der KIWI.KI GmbH vor.

Ehe Tobias Flam seinen Vortrag beginnen kann, steht zunächst noch eine Frage im Raum: Warum eigentlich der Name KIWI? „‘KI‘ steht für das englische Wort key“, erklärt er. „Der zweite Teil ‚WI‘ für wireless. KIWI bezeichnet sich selbst als Serviceleistung für Wohnungsunternehmen. Das Technologie-Unternehmen vernetzt Türen und stellt ein Online-Portal zur Verwaltung von Schlüsseln beziehungsweise von Zutrittsrechten zu Häusern und Wohnungen bereit. Ziel des Unternehmens ist es, seinen Kunden so die volle Schlüsselhoheit und eine effiziente Verwaltung von Immobilen zu ermöglichen. Die Zielgruppe sind in erster Linie Eigentümer beziehungsweise Verwalter von Mehrfamilienhäusern. Von KIWI profitieren dann aber nicht nur diese und die Bewohner, sondern auch Notdienste, Handwerker, Zusteller oder sonstige Dienstleister rund ums Haus.

Wie funktioniert KIWI nun genau? Durch einen Transponder und einen KIWI Sensor, der hinter der Klingelanlage eingebaut ist, erkennt eine Tür, während man auf sie zugeht, die Berechtigung zum Zutritt des Gebäudes und entriegelt sich automatisch. Der Abstand zur Tür beträgt dabei etwa ein bis drei Meter. Der Vorteil der Funktionsweise liegt auf der Hand: Statt vieler Schlüssel benötigt man nur noch einen Transponder und das bringt Komfort, Barrierefreiheit, Zeitersparnis, Sicherheit sowie eine Effizienzsteigerung bei der Immobilienverwaltung mit sich. Auf der Website des Unternehmens können Eigentümer und Verwalter mit drei Angaben ihr individuelles Einsparpotenzial einfach berechnen lassen. Außerdem bietet KIWI ein „Mehr“ an Sicherheit. Der KIWI Transponder kann mittels des Verwaltungsportals für mehrere Gebäude freigeschaltet werden und genauso schnell mit wenigen Klicks bei Verlust deaktiviert werden. Datenschutz spielt hier ebenfalls eine Rolle: Es kann nicht nachvollzogen werden, wer wann mit einem KIWI Transponder durch welche Tür geht.

Die Lösung des Berliner Unternehmens umfasst zwei Bereiche: zum einen die Hardware für die digitale Vernetzung der Türen, zum anderen die Software für die Verwaltung und Öffnung der Türen. Grundsätzlich kann KIWI auf alle Bestandsimmobilien angewendet werden, der Fokus liegt jedoch auf Mehrfamilienhäusern. „In 99 Prozent aller Immobilien kann KIWI nachträglich eingebaut werden“, sagt Tobis Flam. Das Geschäftsmodell ist genau auf die Wohnungswirtschaft zugeschnitten und bietet Zugang als Service (access as a service). Dadurch hebt sich das Unternehmen stark von traditionellen Produktlösungen ab. Den KIWI Service erhält man durch geringe monatliche Gebühren, die allerdings für den Vermieter kostenneutral über die sonstigen Betriebskosten umgelegt werden können. Der Vermieter zahlt nichts für die Einrichtung und erhält auch alle KIWI Service-Leistungen, wie zum Beispiel das KIWI Portal, kostenlos. Nachträgliche Kosten für Updates oder die Wartung des Systems fallen nicht an.

Über die Kernkundengruppe aus der Wohnungswirtschaft hinaus bietet KIWI auch eine Lösung für Büros, Coworking Spaces und weitere Anwendungsfälle, bei denen das traditionelle Schlüsselmanagement hohe Kosten verursacht und die Sicherheit gefährdet.

Mit KIWI können alle Zutrittsrechte für Türen selbst online verwaltet werden (Quelle: KIWI)

Mit KIWI können alle Zutrittsrechte für Türen selbst online verwaltet werden (Quelle: KIWI)

Die Implementierung von KIWI beginnt bei der Eingangstür eines Gebäudes („KIWI Smart Entry“), nachfolgend können als Gesamtlösung weitere (Wohnungs- oder Keller-)Türen ergänzt werden („KIWI Smart Lock“). Eine Installation dauert lediglich 30 Minuten. Für das sogenannte Smart Lock arbeitet KIWI mit einem Partner für digitale Schlösser zusammen. Dabei handelt es sich nicht um ein motorbetriebenes Schloss, sondern um eine Türklinke oder einen Knauf, die/der mit einer Batterie versehen ist. Diese ist länger haltbar und macht eine Nutzung von etwa sieben bis zehn Jahren möglich. Sobald nur noch 2.000 Öffnungen möglich sind, macht sich das Smart Lock durch ein akustisches Signal bemerkbar. Zudem bietet KIWI ein Tracking der Batterie-Lebenszeit.

Das KIWI Produktportfolio (Quelle: KIWI)

Das KIWI Produktportfolio (Quelle: KIWI)

Das KIWI Portal, das Herzstück des KIWI Service, wird für die Verwaltung der Zutrittsberechtigungen und die Fernöffnung genutzt. Für die Öffnung an der Tür gibt es neben dem KIWI Transponder auch die Möglichkeit, die Tür einfach mit dem Smartphone über die KIWI App zu öffnen. Da es sich beim KIWI Portal und den KIWI Apps um Webanwendungen handelt, benötigt der Kunde keine Software, die er sich zunächst herunterladen muss, sondern kann auf alle Anwendung von jedem internetfähigen Gerät zugreifen.

Die KIWI Applikationen (Quelle: KIWI)

Die KIWI Applikationen (Quelle: KIWI)

Der Vortrag von KIWI löste bei den Teilnehmern der Werkstattwoche vor allem Fragen zur Funktionsweise aus: „Können die Uhrzeiten der Freischaltung bestimmt oder auch nur eine temporäre Freischaltung vorgenommen werden?“, fragt ein Versicherer. „Aktuell kann dauerhaft oder für 72 Stunden ein Zugriffsrecht vergeben werden“, antwortet Tobias Flam. „Die klassische Outlook-Kalender-Funktion, die Sie sich jetzt wahrscheinlich gerade vorstellen, ist derzeit noch nicht möglich, wird allerdings Anfang 2018 verfügbar sein. Grundsätzlich sind wir immer offen für Anregungen und Feedback durch unsere Kunden und nehmen das in unsere Produktplanung mit auf.“

Tobias Flam kommt anschließend auf weitere Probleme zu sprechen, die es bezüglich der herkömmlichen Öffnungsweise mit Schlüsseln gibt. Beispielsweise ist der Nachteil eines Metallschlüssels, dass er sehr leicht nachgemacht werden kann und das Zutrittsrecht bei Verlust weiter am Schlüssel „klebt“. Bei einem KIWI Transponder sind die Zutrittsrechte nicht dem Transponder direkt, sondern immer einer Person zugeordnet. Sobald das Zutrittsrecht einer Person entzogen wird, wird auch der Transponder nutzlos. Unabhängig vom Zutrittsrecht lassen sich KIWI Transponder auch mit einem Klick vom PC aus in Echtzeit sperren und auch wieder entsperren, sollte ein verlorener KIWI Transponder wieder auftauchen. Weiterhin sind der Schlosswechsel und vor allem die Prozesskosten der Schlüsselübergaben und -dokumentation sehr aufwendig, teuer und unsicher. Ein digitales Schließsystem erhöht daher die Sicherheit und die Effizienz während des gesamten Immobilienlebenszyklus. Auch die Gefahr von sogenannten Verlängerungsattacken, die beispielsweise bei Autodiebstählen eingesetzt werden, besteht bei KIWI nicht, da das zum Patent angemeldete Protokoll zusätzlich zur Verschlüsselung auch eine Zeitkontrolle hat. Zudem ist die Kommunikation zwischen KIWI Transponder und der Tür (KIWI Sensor) jedes Mal einzigartig. Somit wird es unmöglich, das Signal zu kopieren. „Für die Entwicklung unserer Lösung haben wir professionellen Hackern folgende Aufgabe gestellt: Entwickelt etwas, was ihr selbst nicht hacken könnt. Durch einen kontinuierlichen Austausch mit und Test durch Sicherheitsforscher und Kryptografie-Experten sind wir immer einen Schritt voraus.“

KIWI hat derzeit mehr als 440 Kunden aus der Wohnungswirtschaft, mit circa 4.700 Häusern und 58.000 Wohnungen, die bereits an die KIWI Infrastruktur angeschlossen sind. „Nun muss ich aber mal eine grundsätzliche Frage stellen“, meldet sich eine weitere Teilnehmerin zu Wort. „Diese Funktionsweise ist doch eigentlich gar nicht neu?“ Tobias Flam stimmt hier zu. „Eine RFID Zutrittskontrolle gibt es bereits für Hotels, Büros oder auch für Autos. Das Geschäftsmodell auf den sogenannten Residential Markt (Wohnungsimmobilien) anzuwenden ist allerdings neu.“
„Warum gibt es das dann noch nicht viel mehr?“, fragen die Teilnehmer weiter. Tobias Flam erklärt, dass sich KIWI auf dem Markt für digitale Schließsysteme für Mehrfamilienhäuser befindet. Dies sei ein junger Markt, der Mehrwert eines digitalen Schließsystems ist noch nicht bei allen Entscheidern bekannt. „Eine Charakteristik des Marktes ist es, dass die Wohnungswirtschaft in zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren denkt und bewährte, langlebige Lösungen mit minimalem Wartungsaufwand sucht. Daher gibt es bei neuen Lösungen oft die die Bedenken, dass es diese in zwei Jahren nicht mehr geben wird.“ Eine weitere große Hürde seien die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und die Befürchtung eines hohen Aufwands für die Integration in ein neues System. „Nach fünf Jahren, in denen wir die Sicherheit und die Effizienz für unsere Kunden gesteigert haben, haben wir gezeigt, dass wir allen diese Anforderungen gewachsen sind und anfängliche Bedenken schnelle ausräumen können.“

Die Diskussionen gehen weiter, vor allem die Verbindung von KIWI und der Thematik Hausratversicherung spielen eine große Rolle. Wie müssten Hausratversicherungen angepasst werden, damit sie mit KIWI vereinbar wären? Mit der Allianz besteht bereits eine Kooperation in Form einer Schlüsselversicherung, was bedeutet, dass die Kosten für den Schlüsseldienst im Fall des Falles übernommen werden. Auch die Risikobetrachtung interessiert die Teilnehmer. Gibt es ein höheres Risiko mit KIWI? Kann sich so möglicherweise auch die Versicherungspolice senken im Vergleich zu einer Standardtür? Mechanisch oder elektronisch – was ist sicherer? Welche Daten würden benötigt werden?

Zum Abschluss seines Vortrags gibt Tobias Flam einen kurzen Ausblick in die Zukunft, in der KIWI Applications zusätzlich zur zeitlich begrenzten Vergabe von Zutrittsrechten auch um ein Tracking-Feature ergänzt werden soll. Mit diesem Zusatz-Feature kann auf Wunsch nachvollzogen werden, wer, wann durch welche Tür gegangen ist. Auch hier haben wir auf unsere Kunden gehört, die diese Funktionalität gerne hätten.  Einer der Teilnehmer zieht sein persönliches Resümee: „Aus der Perspektive einer Privatperson ist es wie ‚Sesam öffne dich zu jeder Uhrzeit‘. Aus Versicherungsperspektive bin ich allerdings noch etwas skeptisch.“

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